Oft treffe ich Menschen in meiner Praxis, die sehr krank sind. Sie haben Krebs, Rheuma, chronisch entzündliche Erkrankungen usw. Häufig erzähle ich diesen Menschen von Kollegen, die sich darauf spezialisiert haben, Menschen  mittels spezieller Ernährung zu helfen. Bei Rheuma hilft z.B. Mouni Meier von http://www.eat-and-move.de, eine wunderbare Köchin und Fachfrau für BioGourmet Ernährung, die selbst schon als sehr junge Frau an Rheuma erkrankt ist. Mit Hilfe von Ernährungsumstellungen hat sie ihre Erkrankung und Schmerzen so in den Griff bekommen, dass sie keine Medikamente mehr nehmen muss. Mittlerweile hat sie zahlreiche Fortbildungen gemacht und gibt selbst für die Rheuma-Liga Kochkurse für Betroffene, die von ihrem besonderen Wissen profitieren können.

Trotzdem bemerkt sie – wie auch ich, dass Menschen mit einer unglaublichen Kraft an ihren alten Gewohnheiten festhalten. Auch wenn schon das Weglassen des abendlichen Käsebrotes die Schmerzen erheblich verbessern könnten, halte die Patienten daran fest. Wollen sich den „letzten Spaß“ nicht nehmen lassen und nehmen stattdessen lieber heftige Medikamente. Krebspatienten essen Zuckerberge, obwohl sie wissen, dass gerade der Zucker ihre Krebszellen wachsen lässt.

Warum also ist es so schwer von alten Pfaden abzugehen? Warum stürzen wir uns nicht auf jede mögliche Hilfe, selbst wenn wir so leiden?

In der systemischen Therapie sind wir davon überzeugt, dass Menschen oft lieber im altbekannten Leiden verhaftet bleiben, als den Mut oder die Kraft zu haben Neues auszuprobieren. Menschen die nicht betroffen sind schütteln ungläubig den Kopf und behaupten, wenn sie solche Geschichten hören: „Oh man, dass würde ich anders machen. Ich würde nach jedem Strohalm greifen.“ Aber mal Hand aufs Herz – ist das wirklich so? Sind wir wirklich immer so schnell und konsequent, wenn es darum geht uns selbst zu helfen, für uns selbst etwas Gutes zu tun?

Ich glaube nicht. Aber woran liegt das? Warum ist es so schwierig sich zu verändern?
Ist es wirklich nur die fehlende Disziplin die uns hindert? Oder ist der Schmerz noch immer nicht groß genug?

In meiner Wahrnehmung lernen nur wenig Menschen in ihren Familien, dass es ihr Geburtsrecht ist gesund und glücklich zu sein. Dass sie selbst dafür verantwortlich und zuständig sind, sich das best mögliche Leben zu gestalten. Nicht aufgrund eines kranken, überzogenen Egoismus, sondern weil wir nur geben/nehmen und lieben können wenn wir in der Lage sind uns selbst zu lieben und für uns selbst zu sorgen. Es macht die Welt nicht besser, wenn wir uns daran hindern die eigenen Wünsche und Ziele zu erfüllen. Wir sind keine besseren Mütter und Väter, wenn wir uns für unsere Kinder aufopfern, sondern bringen unseren Kindern bei, genau das gleiche zu tun.

Auch wenn wir das alles wissen, es vielleicht sogar zu unseren Lebensphilosophien gehört und wir im Kopf voll zustimmen, ist es oft hart den ersten Schritt zu machen. Wir kennen uns im Leiden doch so gut aus, wissen wie es ist wenn der Rheumaschub kommt oder wir uns wieder einmal schlecht fühlen nach einem Kampf mit viel zu vielen Süßigkeiten.

Trotzdem fehlt oft der Impuls anzufangen, den ersten Schritt zu gehen, aus Angst zu versagen und vor dem Ergebnis, dass es nichts bringt. Aus Furcht, wieder Hoffnung geschöpft zu haben, die dann enttäuscht wird. Wir haben Angst, dass der ersten Euphorie wieder der Breakdown folgt.

Aber wie kommen wir da raus?
In dem wir kleine Schritte gehen. Ein Käsebrot am Abend weniger ist vielleicht ein erster Schritt? Den Zucker gegen Reissirup austauschen vielleicht ein zweiter. Ich glaube fest daran, dass wir oft am falschen Ende festhalten. Wir denken das Käsebrot ist eine Belohnung, es aufzugeben ein Preis den wir nicht bereit sind zu zahlen – wir wollen nicht verzichten. Aber was, wenn nicht der Verzicht im Vordergrund stünde, sonder der Gewinn an Lebensfreude, der Gewinn der Schmerzfreiheit und die Möglichkeit, sich wieder gut zu bewegen?
Wir leben in einer Gesellschaft die bereit ist, sich für größere Brüste eine OP zuzumuten aber nicht für eine mögliche Verbesserung der Gesundheit auf das Käsebrot zu verzichten? Das ist doch verrückt. Was ist denn das Schlimmste was passieren kann, wenn ich es ausprobiere? Das es nicht funktioniert? Aber was, wenn doch?

Dürfen manche Menschen nicht glücklich sein? Darf es nicht leicht sein? Sei ehrlich, wieviel Spaß darfst Du in Leben haben? Wieviel schlechtes Gewissen hast Du, wenn Du mal so richtig in die Vollen gehst, aus tiefstem Herzen Spaß hast und Deine Lieben zuhause sitzen und sich selbst bekochen müssen? Mir hilft es mir zu sagen, erst wenn es mir gut geht, ich gut drauf bin, zufrieden mit mir und meinem Leben bin, erst dann bin ich liebevoll und großzügig zu anderen. Dann bin ich voll von Liebe und kann geben. Ich rechne nicht auf, ob auch genug vom anderen zurück kommt, sondern freu mich über die Freude des anderen.

Also was hält Dich ab Dinge auszuprobieren und gut für Dich zu sorgen? Du kannst es versuchen und wenn es Dir nicht gefällt, hörst Du einfach wieder auf? Du kannst 3 Wochen „Käsebrotfrei“ leben und wenn es zu schwierig ist, fängst Du wieder an es zu essen.

Dies ist eine Aufforderung zu handeln nicht im Leiden stecken zu bleiben, denn Gustav Heinemann wusste schon:

Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte.

Für alle die sich über Mouni´s tollen Kurse informieren wollen:
http://www.eat-and-move.de