Hallo,

dies ist meine Geschichte mit Diäten, Selbstzweifeln und wie ich mich endlich daraus befreit habe.

Meine Geschichte

Bereits mit 9 Jahren machte ich meine erste Diät. Nicht weil ich unglaublich über dem Standard-Gewicht lag, sondern weil meine Eltern Angst hatten, es könnte soweit kommen. Schon damals war ein dickes Kind ein Thema und Eltern wurden angehalten für eine Gewichtsreduktion ihres Kindes zu sorgen, auch, wenn es weder eine sichere Methode gab, noch das Gewicht in irgendeiner Weise beeinträchtigend wirkte. Man empfahl aus dem Bauch heraus Maßnahmen zu ergreifen und stürzte Kinder wie mich schon früh in die Diätspirale.

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Mit dem Beginn meiner ersten Diät fühlte ich mich permanent kontrolliert. Was ich aß, wie viel ich aß. Mein Hunger wurde nicht von mir, sondern von Außen eingeschätzt. „Du kannst doch nicht mehr hungrig sein, Du hast schon so viel gegessen, das würde ich nicht einmal essen. Wo soll das hinführen? Wie siehst Du denn aus? Es gab unendliche Kommentare zu meinem Aussehen, meinem Essverhalten und gleichzeitig ass jeder in meiner Familie gerne und viel. Essen war ein Fest, wir rühmten uns für den guten Geschmack und die feinen Speisen. Alle die in das standardisierte Körper-Schema passten sollten gut und mit Genuß essen, die anderen bitte nicht. Die permanente Beschallung mit äußeren Bewertungen in meiner Familie, hat bis heute nicht aufgehört. Ich denke, die meisten Menschen bemerken gar nicht wie häufig sie das Aussehen anderer zum Thema machen. Mich hat das im höchsten Maße verunsichert. Ich hatte das Gefühl, egal was ich mache, es reicht nicht aus. Ich hörte auf mich zu bemühen, rebellierte mit zunehmendem Alter. Aß und rauchte heimlich und wurde immer schlechter in der Schule. Passierte etwas, das mich verletzte, führte ich es auf das Gewicht zurück. Der Junge, in den ich verliebt war, wollte nicht, irgendetwas gelang nicht auf Anhieb, kann nur daran liegen, „dass ich zu dick, zu doof und zu undiszipliniert bin.“ Nachdem ich diese Meinung erst einmal von mir hatte, erfüllte ich mir immer wieder meinen Glauben daran, selbst.

Ich ging auf ein Ernährungsgymnasium, in der Hoffnung, dann alles zu lernen was ich bräuchte. Hatte Ernährungswissenschaften und Bio im Leistungskurs. Nutzte nix, also studierte ich Ernährungswissenschaften. Meine Examensarbeit schrieb ich über Software zu Ernährungsberatung. Nach dem Studium arbeitete ich in einem Softwareunternehmen, in der Süßwarenbranche und später im Bereich Functional Food. Ich begleitete Studien an Universitäten, gründete Arbeitskreise und die Themen „Abnehmen und gesunde Ernährung, Superfoods und Supplements“ waren immer dabei.

Gebracht hat es mit gewichtsmäßig nichts. Ich schwang ich weiter von Diät zu Diät, machte zwanghaft Sport bis ich mich verletzte und befand mich in einem Kreislauf aus Hungern, Abnehmen, Fressanfällen, und Sportzwang und Sportverletzung. Ich war in keinem Bereich meines Berufes jemals so ehrgeizig wie im Abnehmen. Kein Thema war so wichtig, wie schlank zu sein. Es hat extrem lange gedauert, bis ich endlich bei der Erkenntnis ankam, dass es ungesünder ist ständig auf Diät zu sein und Ab-und Zuzunehmen als einfach das Gewicht zu behalten, das ich hatte.

Kein Thema hat mich so frustriert, so angetrieben und so gefordert wie das Abnehmen und Diäten. Später nannte ich das dann Reset, Ernährungsumstellung , Low Carb, Paleo, Clean Eating und so weiter. Letztendlich war es alles das gleiche, nämlich eine Diät.

5 Jahre lang lebte ich sehr stark Kohlhydrat reduziert und konnte mit viel Kraft und Aufwand ein für mich niedriges Gewicht halten. Dann kam ein persönliches Breakdown und ich platze förmlich aus allen Nähten. Ich konnte und wollte nicht mehr. Ich war so erschöpft, dass ich heute sagen würde ich hatte ein Diät-Burn-Out. Ich war wie der Hamster im Rad gerannt und gerannt und als eine andere Sache mich psychisch von den Füßen holt, brach alles zusammen wie ein Kartenhaus.

Es dauerte lange, bis ich mich wieder regeneriert hatte. In der Zeit der Heilung nahm ich zu – richtig viel! Und ich musste lernen, das auszuhalten ohne wieder in den Kreislauf aus Diäten und Fressen zu verfallen. Mit der Zeit erlernte ich das Intuitive Essen, verschlang Health At Every Size und lernte Dinge, die ich eigentlich hätte in meinem Studium lernen sollen – tat ich aber nicht. Erstaunlich ist auch, dass mehr Ernährungsfachleute essgestört sind als Menschen anderer Berufsgruppen. Kein Wunder also, dass wir eine Menge blinder Flecken in diesem Bereich aufweisen.

Heute bin ich dankbar, dass ich diesen Zusammenbruch hatte, denn sonst wäre ich wahrscheinlich immer noch eine Verfechterin von Low Carb und würde meine kostbare Lebenszeit mit Diäten verschwenden. Heute ist es mir ein unglaubliches Bedürfnis auch andern Frauen dabei zu helfen in ihrem Körper eine Heimat zu finden. Sicherheit, Geborgenheit und das Wissen das sie genug und wunderschön sind, egal bei welchem Gewicht.