Alle Jahre wieder…

Bald ist es wieder soweit, das Weihnachtsfest ist um, wir haben geschlemmt, ordentlich Glühwein und Kekse inhaliert, Silvester steht vor der Tür und wir nehmen uns für das kommende Jahr wieder einmal vor, es gesünder zu beginnen. 

Neujahrsvorsätze halten in der Regel 14 Tage, bis sie dann wieder als „nicht erfüllbar“ abgetan werden. Ein wirklich beachtlicher Anteil der Menschen nimmt sich jedes Jahr vor abzunehmen und die Weihnachtszeit ist immer wieder eine gern genommen Ausrede, um weit über die Sättigung hinaus zu schlemmen. 

Also starten wir mit einer Diät. Das Abschwören von Alkohol, Zucker, Weizen, Fleisch, Milchprodukte oder was auch immer wir gerade als Feind auserkoren haben, beginnt – für kurze Zeit. 

Was die meisten aber nicht wissen ist, dass genau dieses Vorhaben schon zum Überessen führen kann. 

Gerade diejenigen, die schon mehrfach Diäten gemacht haben neigen dazu beim bloßen Gedanken an die nächste Diät mehr zu essen als zuvor. Allein das gedankliche Androhen des Verzichts sorgt für den unbewussten Wunsch einen Ausgleich zu schaffen, nach dem Motto: „Bald darf ich lange Zeit keinen Zucker mehr, dann muss ich jetzt noch schnell die Lage nutzen und besonders viel davon essen.“ 

Kaum jemand weiß, wie stark unser Hunger und unsere Sättigung mit der Psyche verbunden sind, selbst Tiere wie Ratten reagieren genauso wie wir.
In Versuchen hat man herausgefunden, dass Ratten denen für eine längere Zeit die Nahrungsmenge oder die Art der Nahrung vermindert wurde, danach nur umso mehr gegessen haben, um das Defizit auszugleichen.

Jede Form von Verzicht, jede Form von Restriktion ob psychisch oder physisch führt zu einem „Mehr“ an Nahrungsaufnahme. 

Wollen wir also das kommende Jahr nicht mit mehr Gewicht starten, sollten wir uns nicht innerlich schon auf die nächste Diät vorbereiten.
Nachweislich scheitern über 91 Prozent aller Diäten. Trotzdem bleibt die Frage ungestellt was eine Diät überhaupt ist. „Ich mache eine Ernährungsumstellung“ höre ich oft. Beim genaueren Nachfragen stellt sich aber heraus, dass auf Lebensmittel verzichtet wird, die man gerne isst , dann handelt es sich doch um eine Diät.

Was also ist eine Diät? 

Eine Diät ist jede Form des sich zurück halten müssen’s. Also, wenn ich etwas nicht esse, obwohl ich es gerne essen würde oder hungrig bin. Die Entscheidung etwas nicht essen zu dürfen kommt bei einer Diät aus dem „ich bin zu dick“ nicht aus dem „das tut mir nicht gut, davon bekomme ich Bauchschmerzen.“

Kling so als, wenn jede Regulation eine Diät wäre?
Eine Diät ist wie das Gefühl des Mangels, etwas nicht ausreichend zu bekommen oder zu dürfen. Es ist wie das kindliche Gefühl „alle dürfen – nur ich nicht“.

Wenn dann noch die körperliche Nahrungslimitierung dazu kommt, wird die Lage noch verschärft. Nicht selten kommen alle Komponenten zusammen:

  1. Wir fühlen uns dick und hässlich, wollen unbedingt Gewicht verlieren

  2. Wir machen eine Diät und nehmen auch ab

  3. Die Gewichtsabnahme wird langsamer und wir unzufrieden, dass es so langsam geht,

  4. die Verführung durch das Essen wird größer, wir essen wieder mehr.

  5. Wir nehmen wieder zu und fühlen und als Looser. 

  6. Zurück zu Punkt 1

Viele Menschen, wie auch ich selbst, kennen diesen Kreislauf aus dem Effeff.  

Was wäre dann keine Diät?

Keine Diät wäre auf den Körper zu hören. Ihn zu fragen wie hungrig bist du? Worauf hast du Lust, was nährt dich, was brauchst du?
Ihm zu vertrauen und die Möglichkeit zu geben auszuprobieren wieviel der richtigen Menge entspricht. Essen nicht per se in gut und schlecht einzuteilen, sondern es dem Körper und manchmal auch der Emotion zu überlassen. 

Ist intuitives Abnehmen eine Diät? Vielleicht, je nachdem ob diejenige die sich daran versucht verstanden hat worauf es ankommt und das auch umsetzen kann. 

Intuitives Essen als Intuitives Abnehmen zu bezeichnen, wäre bereits der erste Denk- und Verfahrensfehler, denn bei diesem Konzept geht es nicht darum abzunehmen.
Intuitives Essen wird oft falsch verstanden und es wird daraus eine Diät mit den Regeln „du darfst NUR essen wenn du hungrig bist, bis du satt bist“. Isst du außerhalb des Hungers hast du etwas falsch gemacht. DAS ist nicht intuitives Essen.

Wer meint intuitiv abnehmen zu können, versucht mit dem Kopf im Schwitzkasten in die volle Entspannung zu kommen. Ein absolutes No-Go. 

Erst, wenn wir das Abnehmen wirklich in den Hintergrund rücken und dem Körper das volle Vertrauen entgegen bringen, kann am Ende ein Nebeneffekt sein, dass man abgenommen hat.

Warum ist es meiner Meinung nach so wichtig endlich mit dem Diätleben aufzuhören?

Weil Diäten dick machen, den Selbstwert verringern, zu Essstörungen führen können und uns das Gefühl gibt Versager zu sein. 

Dabei ist in Wahrheit nicht der Mensch zu schwach, sondern jede Diät führt ab absurdum. 

Der Körper ist nicht darauf ausgelegt zu hungern, sondern zu überleben. Das Überleben wird durch unser Gehirn gesichert und dieses will Schmerz vermeiden und Freude erzeugen. Wer also isst ohne Freude zu empfinden, ein schlechtes Gewissen durch das Essen bekommt, sich schämt, weil sie wieder zu viel oder falsch gegessen hat, wer sich selbst zum Hungern zwingt, der bedroht sich selbst.
Wenn unser Gehirn sich bedroht fühlt reguliert es unseren Hunger nach oben. Wir essen mehr um das Überleben zu sichern und weil Essen Dopamin ausschüttet. Dopamin soll helfen unseren Schmerz aus der Scham, dem schlechten Gewissen und dem Selbsthass zu lindern. Um das Verhungern zu verhindern, schaltet der Stoffwechsel die Gänge herunter, nutzt jede Kalorie so gut es geht aus und schützt die Fettreserven mit aller Macht. 

Diäten, so wie wir sie machen führen dazu, dass wir gegen uns und unseren Körper ankämpfen. Wir versuchen die Natur des Menschen zu besiegen mit Diätdrinks und Ernährungsplänen. Wer je unsere Evolution verstanden hat, muss an dieser Stelle herzhaft lachen. 

Wer also gesünder in das neue Jahr starten möchte, der sollte aufhören Diäten zu machen und sich mehr dem Genuss und der Erlaubnis zu Essen widmen. Dem Körper wieder lernen zu vertrauen und die eigenen Körpersignale zu schätzen lernen. 

Unser Körper ist ein Meisterwerk der Natur, er dient uns treu und tapfer, wenn wir krank sind, Kinder bekommen, Stress haben und ihn vernachlässigen. Anstatt zu trainieren wie wir wieder mit ihm in Kontakt kommen, versuchen wir uns vom eigenen Körper abzuschneiden. Nicht zu fühlen und nicht auf seine Signale wie Migräne, Schilddrüsen- Funktions-Störungen, Übergewicht, Magen-Darm-Problemen usw. zu reagieren. 

Wir mussten an so vielen Ecken des Lebens schon lernen, dass sich die Natur nicht bezwingen lässt, vielleicht ist es an der Zeit wieder mit der eigenen Natur in die Kommunikation zu gehen und zu fühlen was es wirklich ist – was uns nährt und glücklich macht. 

Euch allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch!