Was ist eine Anti-Diät? Was genau ist damit gemeint?

 

Mit einer Anti-Diät, meine ich mehr als einfach nur nicht auf Diät zu sein oder den eigenen Körper anzunehmen wie er ist. Mit einer Anti-Diät meine ich in erster Linie die Ablehnung von Werten und Überzeugungen die in unserer Gesellschaft sehr verbreitet sind wie: 

 

Die Diätmentalität erkennen:

Nur wer schlank ist, kann, gesund sein.

Wer dick ist, muss krank sein, oder sich auf dem Weg dahin befinden.

Wer fett ist, kann nicht schön und attraktiv sein, denn nur wer schlank ist, sieht gut aus und entspricht einem annehmbaren Schönheitsideal.

Wer fett ist, findet keinen Partner, keinen Job, kein Glück im Leben.

Wer fett ist, ist undiszipliniert oder einfach zu ungebildet, um zu verstehen, wie es geht schlank zu werden und abzunehmen.

Schlank zu sein, ist in unserer Gesellschaft eine Währung „wir können nicht reich und nicht dünn genug sein“, soll Coco Chanel gesagt haben. 

 

All diese Glaubenssätze und Überzeugungen. Die Tatsache, dass Fette oder auch einfach nur die, die zugenommen haben ohne Scheu auf ihr Gewicht angesprochen werden, ist nicht nur unverschämt, sondern auch extrem diskriminierend und ungerecht. 

 

Wir wissen heute längst, das dicke Menschen im Schnitt nicht mehr essen als dünne Menschen. Die Schlanken, die sich also auf ihre Disziplin etwas einbilden, haben keinerlei Grund dafür. Zudem ist es fraglich, wie stolz ausgerechnet wir Frauen darauf sein sollten, einem Ideal entsprechen zu wollen, dass uns möglichst klein, und wenig Raum einnehmend, möchte. 

 

Werte hinter dem Schönheitsideal (Thin Privileg).

Eine Anti-Diät fordert Frauen auf (und natürlich auch alle anderen) sich von den krank machenden Überzeugungen zu befreien. Nur weil wir nicht die perfekte Figur haben (was auch immer das sein soll), sind wir nicht mehr oder weniger Wert als ein jeder Andere
 

Glücklicherweise gibt es immer mehr politische Bewegungen wie Body Positivity, Fat Acceptance und natürlich auch dem Feminismus, die helfen die Sicht der Mehrheit zumindest zu hinterfragen. 

 

Body Positivity bedeutet übrigens nicht, dass es empfohlen wird, sich zu feiern, weil man fett ist oder das Leben als Couch-Potato zu promoten. BoPo ist eine politische Bewegung, die sich für die Gleichstellung aller Menschen einsetzt, ob sie nun fett, weiblich, schwarz, mit Behinderung oder transsexuell sind.

Wir sind nicht besser, nur weil wir das Privileg haben weiß oder gesund auf die Welt zu kommen.

 

BoPo ist also in keinem Fall gesundheitsgefährdend, sondern genau das Gegenteil, es fördert das Bewusstsein für unsere Gleichheit, dass wir uns auf Augenhöhe begegnen. Der ständige Vergleich, den wir in unserer Gesellschaft so lieben (wer ist die dünnste, reichste, hat die tollsten Kinder, den heißesten Partnerin …) ist nicht gesund. Selbst nicht für die, die den Status haben, denn wie schnell kann es passieren, dass das ganze Geld weg ist, die Figur sich mit dem Älterwerden oder Schwangerschaften und Co. verändert. Wie oft sind Gesichter nicht mehr wieder zu erkennen nach Eingriffen? Und dann? Sind wir nichts mehr Wert?

 

Wäre schlimm, oder?

 

Ernährung kontrollieren? No Way. 

Auch ich bin so erzogen worden, dass es unmoralisch ist, so viel zu essen wie man möchte. Die Figur zu haben, die man hat oder einfach in Frieden mit dem eigene Körper zu leben. 

 

In meiner Familie habe ich früh gelernt, dass es extrem wichtig ist, schlank zu sein. Wer das nicht von Natur aus ist, muss eben nicht so viel essen. 

 

Bereits mit 9 Jahren habe ich eine Menge an Kontrolle erlebt, was mein Essen betrifft. Mehrfach täglich bin ich ermahnt worden weniger zu essen, bestimmte Lebensmittel zu meiden. Mehr Sport zu machen, mich zu zügeln und zu disziplinieren.  All das ohne Vorbilder, denn der Rest meiner Familie war schlank.

 

Geführt hat mich das zu einem sehr gestörten Verhältnis zu mir, meinem Körper und dem Essen. Ich habe nie entspannt gegessen, ohne schlechtem Gewissen, bis ich satt war, was ich gerne mochte, wonach mir war. 

 

Essen war eine moralische Instanz, die es zu regulieren und kontrollieren galt- und so wie Du isst – so bist Du auch. Also undiszipliniert und faul oder rechtschaffene und fleißig. 

 

Ich kann nur sagen: Schöne Scheiße, ich hoffe, Du hast nicht den gleichen Mist gelernt. 

 

Heute möchte ich mehr Menschen dazu anregen das Intuitive Essen zu erlernen. Denn das was der Mensch von Geburt auf an kann, ist zu fühlen, was er braucht. Welche Menge, welche Nährstoffe, wann der richtige Zeitpunkt dafür ist. 

 

Leider haben wir dies verlernt aufgrund der ganzen Diätregeln, der Fixierung auf die Kontrolle einer Sache, die in uns Menschen nicht dem Willen unterliegt. 

 

Das Essen, der Stoffwechsel, unsere Sättigung und unser Hunger sind im vegetativen Nervensystem geregelt. Unser Gehirn gibt und Signale wie „essen“ oder „aufhören zu essen“. Wir brauchen die ganzen gut gemeinten Ratschläge unserer Umgebung tatsächlich nicht. Wir wissen es für uns am allerbesten. Wir sind in uns drin und sind die einzigen die Hunger oder Sättigung spüren. 

 

Oft wurde uns als Kind oder auch später weiß gemacht, dass andere es für uns besser wissen. Sie haben uns erzählt, ob etwas weh tun konnte oder nicht. Ob wir uns angestellt haben oder nicht. Ob wir zu sensibel, unsensibel oder egoistisch waren oder nicht – und all das, ohne in und drin zu stecken. 

 

Bei einer Anti-Diät geht es darum, wieder den eigenen Gefühlen zu vertrauen. Zu lernen sich abzugrenzen und Sätze zu sagen wie: „Nein ich möchte nicht mit Dir über mein Gewicht, mein Essen oder meinen Körper sprechen. Es geht Dich nichts an!“

 

Eine Anti-Diät heißt sich zu emanzipieren oder auch einfach erwachsen zu werden. Selbst die volle Verantwortung für sich und die eigenen Gefühle zu übernehmen. 

 

Du bist mehr als Dein Körper: 

 

Du sieht mich und weißt, was ich esse?

Wie ich lebe?

Wie viel Sport ich mache?

Wie gesund ich bin?

Nein! Das weißt Du nicht. Man kann Gesundheit nicht sehen. Du kannst nicht sehen, ob jemand schlank ist und eine Bulimie hat. Du kannst nicht sehen ob jemand fett ist und supersportlich.

 

Also lass Dir nicht erzählen, was andere über Dich zu wissen meinen. 

 
 

Aber, was wenn ich wirklich gesundheitliche Probleme habe?

 

Dann lass uns gucken, wie Du mit Dir selbst umgehst. Ernährst Du Dich liebevoll? Bist Du großzügig und mitfühlend mit Dir selbst oder lebst Du nach dem Motto:

 

No Pain No Gain – also ohne Schmerz kein Gewinn?

 

Wenn Du Schmerzen hast, beispielsweise im Bewegungsapparat, dann ist es neben einer guten Diagnostik beim Arzt wichtig, zu sehen, was Du selbst tun kannst. Vielleicht ist es gut, Sport zu machen. Aber es ist nicht gut, ihn zu machen, wenn er Dich total stresst, weil Du immer nur Sport gemacht hast, um Kalorien zu verbrennen.  

Eine mögliche Lösung wäre etwas wie „welche Bewegung gibt es noch, die sich nicht nach Sport anfühlt? Tanzen, Yoga …? Du wirst etwas finden, was Du tun kannst – aber wahrscheinlich erst, wenn Du aufgehört hast Dir selbst Beschimpfungen, um die Ohren zu hauen. 

 

Eine Anti-Diät ist also nicht eine Anti-Gesundheits-Empfehlung, sondern ein Weg in eine liebevolle, gesunde, wohlwollende und lösungsorientierte Beziehung zu Dir selbst zu finden. 

 

Dich nicht abzuwerten, sondern Dich Dir zuzuwenden, um gesunde und gute Lösungen zu finden. 

 

 

 

Anti-Diät bedeutet nicht Anti-Gesundheit. Sondern das Gegenteil, denn wir beachten nicht nur die körperliche, sondern auch die psychische, emotionale Gesundheit.

Ein Anti-Diät-Ernährung anzubieten, bedeutet nicht, dass ernährungs-bedingte Erkrankungen nicht behandelt werden sollen. Oder es keine Ernährungsempfehlung bei entsprechenden Erkrankungen gibt.

Viele gesundheitliche Probleme können von einer ausgewogenen oder sehr speziellen Ernährung profitieren, aber eben nur, wenn sie mit dem Menschen im Einklang stehen können.
Haben wir beispielsweise einen
Klienten mit Zöliakie oder Sprue, so ist Gluten für ihn nicht zu empfehlen.
Trotzdem ist niemand perfekt und wir wollen helfen Ernährung mit ihren
Empfehlungen machbar zu gestalten und nicht den erhobenen Zeigefinger ins Spiel bringen.

Niemand hat etwas davon nicht nur Bauchschmerzen, sondern auch noch ein schlechtes Gewissen und Schuldgefühle durch Essen zu bekommen.

Besonders Menschen die schon viele Diäten gemacht haben und in der Diätmentalität sehr verhaftet waren, haben es schwer sich an die Regeln zu halten.

Medizinische Ernährungsberatung, BoPo oder Fat Acceptance oder Intuitives Essen schließen sich nicht aus, sie fördern die Gesundheit, wenn der Fokus nicht auf dem Erreichen eines dünnen Ideals liegt.

 

Wenn Du selbst vom Fach kommst, sprich mich gerne an.