Mind over Food

Wenn ich sage, der Geist/die Psyche sind wichtiger als das Essen selbst, wenn du Gewicht verlieren willst, dann hören die meisten Menschen, dass das, worauf es ankommt, die Willensstärke ist. Sie denken, ich kann ihnen vielleicht helfen, anders zu denken, um sich besser kontrollieren zu können. Viele möchten mehr Willenskraft, wenn Essen herumsteht, sie genervt sind oder Hunger haben.

Aber vorweg: Ich persönlich glaube nicht an das Prinzip „Willensstärke oder Schwäche“. Ganz im Gegenteil, ich denke sogar, dass es naiv ist zu denken, dass jeder Mensch zu jeder Zeit in der Lage sein kann, einfach aufzuhören zu essen, nur, weil er denkt, jetzt müsste es genug sein. Oder dass jeder Mensch von heute auf morgen anfangen kann, nur noch gesunde Sachen zu essen, ohne seine emotionale Verbindung zum Essen zu verändern. Wenn es nämlich so einfach wäre, bräuchten wir diese Diskussion nicht.

In meiner Wahrnehmung geht es darum, unser eigenes Bewusstsein zu erweitern, wenn es um Essen und Nahrung geht. Ein Bewusstsein zu entwickeln, wie wir mit unserer Psyche Einfluss nehmen auf unseren Stoffwechsel, die Verdauung, unsere Physiologie und unser Wohlbefinden.

Meine Hoffnung ist es, Menschen dabei zu helfen, dass sie eine bessere Beziehung zu sich selbst und ihrem Körper bekommen, indem sie ihre Beziehung zum Essen überprüfen und sich erlauben, neue, entspannende Gedanken zu haben. Entspannende Gedanken heißt nicht, willenlos zu sein und alles in sich hineinzustopfen, was nicht niet- und nagelfest ist, sondern sich entspannt und ruhig zu fühlen, wenn es ums Essen geht. Keine Verbote mehr zu haben, sich nicht selbst ständig an die kurze Leine legen zu müssen.

Die Basis eines gesunden Essverhaltens sind nicht die Vitamine, Mineralstoffe und die maximale Anregung des Stoffwechsels, sondern die Beziehung, die wir mit dem Essen führen. Die Beziehung bedeutet die Summer aller Gedanken, Gefühle, Erfahrungen, die wir mit dem Essen gemacht haben. Rumi, der Sufi-Dichter, schrieb einst: „Der satte Mann und der hungrige Mann sehen nicht die gleichen Dinge, wenn sie auf einen Laib Brot blicken.“

Jeder von uns hat seine eigene Art, über Essen nachzudenken, der eine denkt von Mahlzeit zu Mahlzeit, beschäftigt sich den ganzen Tag damit, was er essen darf/soll und was nicht.

Ein anderer denkt den ganzen Tag nicht daran zu essen und fällt dann abends vor Hunger fast aus den Schuhen. Jeder hat seine eigenen Gedanken, hier ein Beispiel:

Wir haben einen Teller mit Nudeln, Hähnchen und Salat vor uns stehen, was sehen wir?

Eine Frau, die Gewicht verlieren möchte, siehst vielleicht Folgendes: Sie sieht Kalorien, Kohlenhydrate und Fett. Sie denkt: „Das Hähnchen ohne Haut und den Salat kann ich essen,

die Nudeln muss ich leider weglassen.“ Die Nudeln machen ihr vielleicht sogar Angst.

Ein Sportler wird denken: „Ich muss Muskelmasse zulegen“, er könnte die Kohlenhydrate und das Eiweiß sehen und schon berechnen, wieviel er davon essen muss, damit er an Muskelmasse zulegt.

Ein Vegetarier könnte mit Abscheu ein totes Tier sehen.

Ein Hühner- Landwirt wäre vielleicht stolz auf das fette, saftige Tier auf dem Teller.

Ein kranker Mensch könnte in dem Essen Medizin oder Gift sehen, je nachdem, ob es bei seiner Erkrankung zuträglich ist, solche Lebensmittel zu essen oder nicht.

Ein Wissenschaftler würde den Nährstoffgehalt berechnen oder die Summe der verarbeiteten Chemikalien darin sehen.

Es ist erstaunlich aber auch spannend, wie unterschiedliche Gedanken wir zum gleichen Teller Essen haben können und wie das, was wir denken, unser Handeln entsprechend beeinflusst.

Essen wir die Mahlzeit nun, oder nur Teile davon, schmeckt sie uns, macht sie uns zufrieden und satt oder haben wir ein schlechtes Gewissen und sind unbefriedigt?

Hier ein bisschen wissenschaftlicher Background dazu:

Wie unser Gehirn isst:

Unser Gehirn können wir uns vorstellen, als bestünde es aus Informationsautobahnen, das Rückenmark und die Nerven sind wie eine Telefonanlage, die den Verstand mit den Verdauungsorganen verbindet.

Mit fällt an dieser Stelle der Witze von Otto Waalkes ein (https://www.youtube.com/watch?v=Lob7Sdxs3b0&list=RDLob7Sdxs3b0&t=53)

Angenommen wir essen gerade einen großen Topf Eiscreme. Der Begriff und das Bild dieser Eiscreme befinden sich in den höheren Zentren des Gehirns, dem zerebralen Cortex.
Von dort gehen die Information auf elektrochemischem Weg zum limbischen System, einem unteren Teil des Gehirns. Im limbischen System regulieren wir unsere Emotionen und wichtige physiologische Funktionen wie Hunger, Durst, Temperatur, Sexualtrieb, Herzfrequenz und den Blutdruck. Im limbischen System gibt es eine erbsengroße Gewebeansammlung, den Hypothalamus, der die Aktivitäten des Geistes mit der Biologie des Körpers verbindet. Mit anderen Worten, er nimmt unsere Emotionen, unsere Sinneseindrücke und Gedanken und wandelt diese in physiologische Antworten um.

Stell dir nun vor, es ist deine Lieblingseissorte – sagen wir mal Schokolade – und du isst es voller Genuss und Freude, dann wird der Hypothalamus dieses positive Erlebnis als Aktivierungssignal an den vegetativen Nerv, den Parasympathikus, weiterleiten. Dieser wird das Signal an die Speicheldrüsen im Mund, die Speiseröhre, den Magen, den Darm, die Bauchspeicheldrüse, die Leber und die Gallenblase weitergeben. Die Verdauung wird stimuliert und der Körper kann seine ganze Kraft einsetzen, um die Kalorien zu verbrennen und die Nährstoffe zu resorbieren.

Wenn du dich dabei aber schuldig fühlst und über dich urteilst, gibt der Hypothalamus ein negatives Erlebnis weiter und hemmt das Aktivierungssignal für den Stoffwechsel.
Bei Gefahr und Stress löst das vegetative Nervensystem hemmende Reaktionen aus. Der Stoffwechsel fährt seine Aktivitäten herunter, denn der Körper braucht seine Energie, um sich wehren zu können, wegzulaufen, zu handeln.

Das Eis bleibt länger im Verdauungssystem liegen. Das negative Folgen für den Stoffwechsel haben, wie z.B.: Die gesunden Darmbakterien können negativ beeinflusst werden, Insulin und Cortisol werden vermehrt ausgeschüttet, sodass das Eis schneller in Form von Fett eingelagert wird.

Das ist nur kleines Beispiele dafür, wie du mit deinen Gedanken deinen Stoffwechsel beeinflusst. Das, was du übers Essen denkst, wird in deinem Körper über das zentrale Nervensystem deine Wirklichkeit. Das Gehirn kann nicht unterscheiden zwischen wirklicher Gefahr und deinem selbst gemachten Stress.

Stress kann aus einer alten Erinnerung herauskommen, aus Erfahrungen, aus gelerntem Denken. Selbst alte, längst vergangene Dinge können Stress auslösen:

Vielleicht erinnerst du dich an etwas Schmerzhaftes in deiner Vergangenheit, Liebeskummer, der Tod eines geliebten Menschen … alleine das Darandenken kann dafür sorgen, dass dein Körper reagiert wir damals – er produziert physiologischen Stress, die Herzfrequenz erhöht sich, der Blutdruck steigt und die Verdauungsfunktion wird gleichzeitig herabgesetzt.

Jedes Schuldgefühl in Bezug auf das Essen, jede Scham in Bezug auf den eigenen Körper oder das Essen, jedes negative Urteil über unseren Körper, unsere Gesundheit, unser Verhalten löst Stress aus und dieser wird, wie oben beschrieben, sofort in körperliche Äquivalente umgesetzt.

So kann die gesündeste Mahlzeit Gift für dich sein und sofort eingelagert werden, wenn du giftige Gedanken hast. Ebenso kann das Schokoeis großartig verstoffwechselt werden, wenn du es mit Genuss und Freude isst.

Du kannst an diesem Beispiel sehen, wie wichtig die Bedeutung unserer inneren Welt ist, was wir denken und fühlen, wie wir Dinge beurteilen.

Bist du bereit für eine entspannte Beziehung zu dir und dem Essen?